Herbst 2015 nach Tania Toraja auf Sulawesi (Celebes) / Indonesien, berühmt wegen der einzigartigen Totenkultzeremonien.

Makassar - nach einem Flug von Kuala-Lumpur (Malaysia). Das scheint mir die günstigste Verbindung zu sein: Bis KL mit einem günstigen Flug ab Deutschland (mit welcher Fluggesellschaft auch immer) und ab KL dann etwa mit dem Diskount-Airliner AirAsia. Der Vorteil ist auch: Die Einreise nach Malayia ist einfachst (Stempel im Pass und fertig) und in Makassar geht sie auch einfach und schnell, weil nur weinige "echte Ausländer wie wir" ankommen.
Ein gutes Hotel fand ich in M. in der Nähe des Hafens "Wisma Banda". Am ersten Tag hatte ich auch gleich ein schönes Erlebnis: Am Ankunfstabend lag also hier am Pier ein indonesisches (Passagier-)Schiff, das noch beladen wurde. Das war am nächsten Morgen weg und stattessen lag ein australisches Kreuzfahrschiff. In der Stadt waren davon immer mal Grüppchen (vor allem ältere Leute) und es gab auch kurze Gespräche. In einer Gruppe erzählte ich wie üblich, auf die Frage woher ich käme, "aus Ostpreußen".  Und siehe, eine Dame kam auch aus OStpreußen - aus Insterburg (und ihr MAnn aus Pommern). Und natürlich haben wir uns gleich auf deutsch unterhalten. Schade, dass mir das nicht einfiel, wir hätten natürlich den anderen das Ostpreußenlied vorsingen können - so einfach auf der Straße...

Ansonsten ist hier in Makassar alles hier ziemlich "bohemien", also nicht zu vergleichen mit Malaysia oder Thailand. Das sind moderne Länder.... Überall bieten sich Rikscha-Fahrer an, doch ich will mich ja selbst bewegen, auch in der Hitze. 



Irgendwo fand ich auch eine Bank mit einem Bankautomaten für Visa-Kreditkarten - üblich ist das hier nicht. Und es geht gleich immer um Millionen... In einem Basar hatte ich ein tolles Essen mit gegrilltem Fisch und Suppe - vielleicht 1,15 €.

 
Die reformierte Kirche habe ich auch gefunden, ich habe beim Besuch an meine reformierten Freunde gedacht! (Siehe Abendmahlgeschirr.) 

 
Chinesen gibt´s hier natürlich auch - die Stadt war schon immer international. 


Ob das Schiff, das gleich beim Fort Rotterdam liegt, noch restauriert werden soll?

Im alten Fort Rotterdam aus der holländischen Zeit ist ein Museum untergebracht.  Allerdings sind die Holländer wohl nicht in so guter Erinnerung...

Darin fielen mit einige Sachen auf:


Das muss ich den Lesern meines Berichts doch zeigen: Ein Mädchen in dem "Kostüm", das Mädchen hier aus Anlass ihrer Beschneidung tragen. Gerade die Bilder von der Beschneidung der Mädchens sagen etwas über die Kultur hier aus. Wie mir mein Guide (siehe weiter unten) erzählte, gibt es in der Gegend von Tania Toraja, wo ich hinfahren will, Moslems (25 %, ansonsten ist Indonesien ein islamischer Staat, ja er ist Indonesien das Land mit den meisten Moslems), Calvinisten (die meisten, klar, die Gegend hier wurde von Holländern missioniert ), Katholiken und Pfingstler - ja und etwa 1 % Animisten, als Anhänger des ursprünglichen Naturglaubens. Alle beschneiden die Jungen, die Moslems beschneiden auch die Mädchen, zum Ritus gehören wohl auch solche Silbertäfelchen über der Scham, wie auf dem Bild, sie sind das "Kostüm", das Mädchen hier aus Anlass ihrer Beschneidung tragen... Jedenfalls kennt mein Guide auch das Museum und das Bild.
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Eine kleine Sammlung der "Kostüme": Das "Beschneidungsbesteck" bzw. die Beschneidungswerkzeuge sind allerdings nicht mit ausgestellt.

: Zunächst einmal der Phallus aus der Megalithkultur - so wie auch bei uns, wenn so etwas nicht gerade in den Kellern der Museen versteckt wird unter dem Vorwand, dass Kinder so etwas nicht sehen sollten.


                   Die Straße ist zwar "langsam", doch es wird überall gebaut. Und im Gebirge ist sie eh extrem kurvenreich. 

Die Fahrt dauert 9 Stunden, die Bussitze haben großen Abstand und man kann ein Polster  für die Beine fast in voller Länge hochklappen.

Das Restaurant, bei dem der Bus Halt zum Mittagessen machte, liegt unmittelbar am Meer, das hier ja nicht gerade einladend ist.



Und wieder mal so ein schönes Fischessen in einem Restaurant direkt am Meer, allerdings kein Strand




Interessant in diesem moslemischen Gebiet ist, dass die Dorfmoscheen alle anders und recht hübsch anzusehen sind. Viele sind allerdings noch im Bau. Wer bezahlt die wohl?

Nun also mit dem Bus von Makassar (30 Jahre hatte die Stadt einen anderen Namen, dann wurde sie wieder auf den alten (portugiesischen?) "zurückgetauft") durch offesichtlich moslemisches Gebiet nach Tanja Toraja im Gebirge (1000 m hoch), wo ich also an einer der berühmten Beerdigungszeremonien teilnehmen werde. Es soll auch keine Touristenspektakel-Beerdigung, sondern eine richtige und ich sei mit meinem dunklen Hemd angemessen angezogen... Die Fahrt für 4 Nächte und 3 Tage - ab heute Abend) hatte ich bereits in Makassar gebucht, na ja, da habe ich sicher viel zu viel bezahlt. Eigentlich wollte ich ja erst an Ort und Stelle etwas organisieren, weil das eigentlich immer günstiger und zumeist auch leicht möglich ist. Aber na ja, ich habe mich breitschlagen lassen. Vor allem wusste ich auch gar nicht, wen ich hier in M. etwa wegen der Busse nach Toraja fragen sollte. (Gewiss hätte mir ein Taxifahrer Auskunft gegeben und mich hingefahren.)

Da hatte ich also gleich in Tania Toraja einen Führer, klar, er war auch voll in Ordnung, wie ich fand. Er war also Pfigstler und so habe ich ihn natürlich gefragt, warum er das ist, denn früher war er Calvinist. Und nach einigem Überlegen meinte er, weil nicht nur die Katholiken, sondern auch die Calvinisten sich nicht richtig an die Bibel halten. Die machen alle Dinge, die gar nicht in der Bibel stehen. Natürlich habe ich nachgebohrt. Er kam dann zu den Beerdigungsriten. Wenn hier nämlich jemand gestorben ist, dann gibt es immer ein großes Fest oder besser eine große Feier, bisweilen erst lange nach dem Tod, bis das nötige Geld beisammen ist, um diese Feier auszurichten. Vor allem werden viele Büffel und auch Schweine geschlachtet - im Beisein der "Trauergäste". Je mehr, desto besser - auch sagt das was über die Stellung des Verstorbenen aus. Der Sinn ist, dass durch diese Opferungen der Seele des Verstorbenen auf ihrem Weg ins Jenseits geholfen wird, eben je mehr, desto besser. Hier haben also die Christen und die Moslems die Traditionen der Animisten übernommen, doch davon steht nun einmal nichts in der Bibel, das sei eben nicht christlich. Bei den Pfingstlern sei das besser, die würden nur ein Tier schlachten, und "außerhalb" - um die Trauergäste mit einem Trauermahl zu versorgen. Da konnte ich ihm voll zustimmen, dass das wohl eher mit dem christlichen Glauben vereinbar sei... Auf die Problematik der Beschneidung der Jungen (und Männer) kam ich nicht, von der steht ja auch nichts in der Bibel.

 Die traditionellen Häuser für die LAgerung von Reis und auch für die Behausung der Bauern sind einfach grandios (sie symbolisieren Schiffe, weil die Besiedler von Sulawsi mit Schiffen ankamen) und oft wundervoll dekoriert. (Heute haben die Bauern Häuser im westlichen Stil daneben.)

Diese merkwürdige Bauweise ist möglich, weil das Material Bambus ist - das lässt sich leicht biegen. Und dazu ist das Dach mit Palmblättern gedeckt, die Bedachung lässt sich also leicht jedem nur möglichen Dach anpassen.


Im Inneren eines Hauses entdeckte ich diese merkwürdige Kombiuhr: Denk immer an den Gekreuzigten!



Die Außenwände der Häuser sind großenteils wundervoll dekoriert.



Und auch von unten, wenn man also unter die Häuser guckt.


Die Büffel haben großartige Hörner, die dann nach der Beerdigung an die Häuser oder an Stelen davor genagelt werden, manchmal sind auch die Kinnbacken dabei.

. Etwa 80 % der Verstorbenen werden in Felshöhlen beigesstzt (wohl oft nur die Gebeine), und für den, bei dessen Beerdigung mehr als 20 Büffel "geopfert" wurden, gibt es so eine Holzfigur vor oder über den Höhlengräbern. Die Gräber sind so hoch oben, damit Diebe nicht so leicht rankommen, weil den Verstorbenen Schmuck usw. beigegeben wird.



Das Felsengrab eines Katholiken - oben steht RIP, "ruhe in Frieden".


In dem Baum sind die Gräber von Babys, solange sie noch keine Zähne haben. Da wird also im Baum eine Höhle ausgemeißelt, in die das Baby reinkommt, damit es die Milch von dem lebendigen Baum weiter bekommt. Und irgendwann schließt sich die Höhle - und das Baby ist erwachsen und lebt unter uns weiter (so weit ich verstanden habe).




Mädchen auf dem Heimweg von der Schule. Es ist gerade Trockenzeit - und so sind auch die Reisfelder trocken. (Gerade wo ich dies schreibe, regnet es wie toll, die Regenzeit beginnt - und die Bauern warten ja auf den Regen, damit die Bestellung der Reisfelder beginnen kann. Sie haben hier normalerweise 2 oder gar 3 Ernten im Jahr.)

Und jetzt also zu der Beerdigung bzw. zu der Totenfeier! Es gibt immer irgendwo eine in diesem Gebiet - und die wusste nicht nur mein Guide, sondern auch die andern Touristen aus Antwerpen, die mit mir im Bus waren, oder die Spanier aus Barcelona, die  ich in einem Straßenlokal beim Essen getroffen hatte.

Auf der Mitte des "Festplatzes" der Sarg mit dem Verstorbenen bzw. mit den Gebeinen, denn er ist wohl schon seit einem Jahr tot.



Der Zeremonienmeister (mit dem Hut), der die Ordnung macht, und auch immer etwas zum Vorlesen hat.



Auf dem WEg zum "Festplatz" der Finanzbeamte, denn das Vieh, das die Gäste als Geschenk mitbringen und das geschlachtet wird, muss versteuert werden. Ein Schwein kostet etwa 7 €, ein Bulle das Dreifache.



Der erste Eindruck vom "Festplatz": Die geschenkten und zu opfernden Schweine.



Ein Schwein wird gerade zu der Beerdigungsfeier transportiert, noch lebt es, wie auch die anderen Schweine in diesem "Bambusgeschirr" mit den "Gurten".



Ein Schwein mit einer Steuerbescheinigung.


Die Schweine werden kontrolliert, ob auch die Steuer bezahlt ist. Und zu dem Gebäude dahinter: Das sind temporäre Gebäude, die nur fürdie Begräbnisfeier aus Bambus gezimmer werden und die nachhier wieder abgerissen. Beziehungsweise man baut die wertbvollen Sachen ab und lagert sie ein - und das "Gerippe" aus Bambus lässt man stehen und vergammeln, Bambus gibt es ja genut und der ist leicht zu verarbeiten. In den "Zimmern" halten sich die Trauergäste auf, sobald ihre festliche Begrüßung in einem "besseren Raum" vorbei ist.



                   Das Trauermahl gibt es nicht wie bei uns nach der Totenfeier, sondern schon vorher oder zumindest während der. Bier gab es schon, doch eher gab es Kanister voller Palmwein, allerdings starkt mit Wasser verdünnt, so schmeckte er eigentlich nicht mehr. Harte Sachen gab´s gar nicht.



Links ein großes Gästehaus - auf dem Weg zum "Festplatz"


Das Hauptopfertier ist der Bulle (diesen hier habe ich woanders fotografiert, der wurde also nicht geopfert). Wie es aussieht, sind die Beerdigungen die Fleisch- bzw. Eiweißversorgung der Bevölkerung  oder waren es zumindest früher. So wie im alten Ägypten und im alten Griechenland die Tieropfer in den Tempeln. Ausdrücklich gehörte jedenfalls in Ägypten zum Tempel immer auch ein Schlachthof. 

So einen Büffel-Bullen gibt es schon für unter 1000 €, er kann aber auch bis zu 70000 € kosten, reiche Leute zeigen damit ihren Reichtum Am teuersten sind die weißen Büffel, d. h. für uns sind sie eher rosa. Vor allem sind sich auch extrem selten. Bei unserer Trauerfeier gab´s nur einen Büffel und vielleicht 20 Schweine.

Doch jetzt zu der Feier:




Der Verstorbene war Mitglied der protestantischen (kalvinistischen) Gemeinde - hier Frauen aus der Gemeinde.


.  Sie kommen und gehen mehrmals - vermutlich tragen sie auch hier nichts Besonderes, es gehört einfach zum Ritus, dass sie etwas tragen.


Eine Gästegruppe - Nachbarn? Vorneweg ein Tänzer und dann dasselbe Pärchen, das die Gruppe zum Empfangszimmer geleitet.



Hier dieselbe Gruppe, etwas näher.




Eine offensichtlich bürgerlichere Gruppe.



Dazwischen Männer mit einer behutsamen Tanzeinlage - sie bewegen sich nur minimal.



Für die kleinen Trauergäste ist offensichtlich etwas anderes wichtiger als die Trauer.



Der kleine Junge saß mit uns im selben "Zimmer", seine Mutter wollte uns beide zusammen fotografieren.Nach der MAcke neben meinem Auge fragen mich immer wieder entsetzt LEute, woher die wohl stammt. Offensichtlich hat man hier andere Peinlichkeitsregeln als bei uns. Ich lache dann immer und winke ab und erkläre manchmal, dass mein Hausarzt nicht so gerne operiert, sondern es erst einmal mit Medikamenten versucht.



Auch die katholische Franziskusgemeinde bekundet ihre Trauer, ich denke, sie hat nichts mit unserer Stasi zu tun.



Dem Büffel wurde von unten die Kehle durchgeschnitten - allerdings etwas abseits. Ich kam gerade noch zurecht, wie er sich aufbäumte und das Blut aus ihm schoss.



Nach den letzten Zuckungen, die eine Weile dauern, beginnt das Häuten - ruckzuck, ja die machen das nicht zum ersten Mal. Ich bin erstaunt, wie unblutig alles zugeht.



Interessierte Touristen schauen zu. Ja, die paar Touristen, die da sind, scheinen völlig integriert in das Geschehen. Der Guide erzählte mir, dass im Soimmer, wenn es größere Touristengruppen gibt, die auch schon mal ein Schwein mitbringen.



Schnell sind nur noch Reste von dem Büffel vorhanden, im Vordergrund der Mageninhalt.



Umn den Kopf kümmert sich noch niemand.



Was an dem "Fest" nicht gebraucht wird, wird an die Gäste verteilt, die sich dafür ebenfalls mit Fleisch revanchieren, wenn sie mal so ein "Fest" haben.



Ein Schwein wirt abgesengt.



Als erstes wird das Innenleben aus dem Tier geholt.

Ja, was ist zu diesen "Tieropfern" zu sagen? Ich habe mich mal sowohl mit meinem Guide als auch mit meinem Wirt über das Problem Religion ganz allgemein unterhalten. Insbersondere der Wirt ist wohl auch der Auffassung, dass das Christentum, so wie es in Europa ist, ein Mischmasch aus vielen Religionen ist - und das zu diesem Mischmach hier dann noch weitere Komponenten hinzukamen, die also den Mischmasch noch vergrößerten. Daher hat er seit 10 Jahren keine Kirche mehr besucht und neigt zum Animismus oder eben zu so einer Art Pantheismus. So mag es hier auch vielen gehen: Äußerlich sind sie kalvinistisch oder katholisch, doch im Grunde sind sie nach wie vor Animisten. Deutlich wird das eben an diesen Tieropfern, ohne die sie offensichtlich nicht auskommen (können).



Und dann wird der Sarg mit dem Toten auf ein erhöhntes Podest - oberhalb der Residenz des Zeremonienmeisters - gebracht, wo er drei Tage bleibt.



Der Transport geht nicht ohne Spaß - ab und zu wird alles auch richtig mutwillig geschaukelt.



Die Weschleife kommt oberhalb des Podests raus, mit Vorischt geht es dann wieder ein Stück steil abwärts.



Wie das so ist, einige Gäste, die offensichltlich auf den Transport des Sarges warten und sich die Zeit mit Palmweitrinken vertreiben - aus Bambusröhren.



Die beiden taten zuest recht scheu, doch dann ließen sie sich doch fotografieren.

Das wär´s erst mal für heute!